Bildung und Schule

Denn der isolierte Mensch vermag sich ebensowenig zu bilden, als der in seiner Freiheit gewaltsam gehemmte.

Von Humboldt, Wilhelm; Briefe An Forster, 01.06.1792

Schulpolitik ist mit Sicherheit eines der herausforderndsten Politikfelder, die sich ein Mensch aussuchen kann: jede*r hat eine Meinung, jede*r hat viele eigene Geschichten über die persönliche Bildungshistorie zu erzählen.

Trotzdem – oder gerade wegen dieser extremen gesellschaftlichen Wirkung – engagiere ich mich hier. Über unser Bildungssystem entscheiden wir nicht nur, wie unsere zukünftige Generation ausgebildet wird. Wir entscheiden auch, in welche Richtung sich unsere Gesellschaft entwickeln soll.


Aktuell haben wir in NRW eines der zerfasertsten Schulsysteme in Deutschland und Europa. Es gibt viele verschiedene Schulformen, und nur die Grundschule ist eine Schule des weitgehend gemeinsamen Lernens. Nach Klasse 4 werden die Schülerinnen und Schüler in neue Lerngruppen geworfen und bekommen anhand ihrer bis dahin geleisteten Leistungen eine Empfehlung – dann können sie sich entscheiden, ob sie eine Hauptschule, Realschule, Sekundarschule, Gymnasium oder eine Gesamtschule besuchen können.

Das kann man als Vielfalt bezeichnen – ich sehe es als Isolation der Menschen. Nirgendwo sonst hängt der Bildungserfolg so sehr vom sozialen Hintergrund, vom Einkommen der Eltern der Kinder, ab wie in Deutschland. Das liegt an unserem extrem selektiven Schulsystem. Gleichzeitig führt diese Umverteilung auch dazu, dass sich Schulen zu Sammelpunkten von sozialen Milieus entwickeln: Kinder von Akademikern sind überdurchschnittlich häufig an Gymnasien, Kinder mit Migrationshintergrund sind an Gymnasien unterrepräsentiert. Ich frage mich: welche Gesellschaft soll das abbilden?

In Herne führt dieses System zum höchsten Anteil der Menschen ohne Bildungsabschluss in der Region.


Ich möchte, dass wir uns auf den Weg machen, dass alle Schülerinnen und Schüler gemeinsam lernen können. Wir wissen aus der Gesamtschule, dass es sehr gut funktionieren kann, wenn Schüler*innen mit unterschiedlichen Zielen im gleichen Klassenraum sitzen, solange die Vorzeichen stimmen. Sie können von den gegenseitigen Unterschieden profitieren, sich unterstützen, und gemeinsam wachsen.

Lehrerinnen und Lehrer benötigen dafür aber auch deutlich mehr Unterstützung – die Pandemie zeigte uns ebenfalls, dass die Unterstützung und insbesondere auch Wertschätzung sowieso in letzter Zeit stark zu kurz kam. Ich finde: ein Land wie Deutschland, mit NRW als seinem bevölkerungsreichsten Bundesland, kann sich keine schlechte oder auch nur mittelmäßige Bildung leisten. Wir brauchen die beste Bildung, mit dem besten Lehrpersonal und den besten Schulgebäuden. Es darf nicht weiter an der Grundlage der Zukunft unserer Gesellschaft gespart werden!


Meine Forderungen:

Überparteiliche Kommission zur Klärung der Finanzierung von Schulen: was zahlen die Kommunen, was zahlt das Land, was darf der Bund?

Gleiche Ausbildung heißt gleiches Geld: A13 für alle Lehrer*innen mit 2. Staatsexamen, damit Grundschulen attraktivere Arbeitsplätze werden.

Die Weiterentwicklung der Lehramtsausbildung: duales Studium ab dem ersten Semester mit Entlohnung ermöglichen.

Weiterführung und Ausbau des Programms „Gute Schule“, damit nicht nur kein Putz mehr bröckelt, sondern auch alle Schulen topmodern sind.

Mehr Sozialarbeiter*innen, mehr Schulpsycholog*innen und mehr IT-Personal an jeder Schule in NRW.

Ein neuer Job in Schulen: Lernbegleiter*innen, die unsere Lehrer*innen in ihren erzieherischen Aufgaben unterstützen können.